Schon mal gehört?

Wie funktioniert das Wunderwerk Ohr? Was ist ein Tinnitus und wie entsteht er? Was ist eigentlich Lärm? Klicken Sie sich durch unser kleines Lexikon und erfahren Sie Wissenswertes rund um das Thema "Hören".

So funktioniert das menschliche Ohr!

Rundumshören_Anatomie_Oticon_Das_Ohr
Oticon

Die Übertragung eines akustischen Signals aus unserer Umgebung an das Gehirn ist ein komplexer Vorgang. Durch ein Geräusch geraten die Moleküle der Luft in Schwingungen und erzeugen damit Schallwellen, die von unserem Außenohr aufgenommen werden. Das Außenohr umfasst Ohrmuschel und Gehörgang. Die Ohrmuschel fängt alle Schallsignale auf und führt sie über den Gehörgang zum Trommelfell. Dieses trennt das äußere Ohr vom Mittelohr und ist in etwa so groß wie eine Erbse. Das Trommelfell wird durch die Schallwellen in Schwingung versetzt und bringt im Mittelohr die Hammer, Amboss und Steigbügel genannten Gehörknöchelchen, die am Trommelfell befestigt sind, in Bewegung. Die Gehörknöchelchen verstärken die eingehenden Signale und übertragen sie weiter an das ovale Fenster, den Übergang vom Mittelohr zum Innenohr. Das Innenohr ist wie ein Schneckenhaus geformt, mit Flüssigkeit gefüllt und enthält ca. 20.000 hochempfindliche Nervenzellen, die wegen ihrer feinen Härchenstruktur auch „Sinneshärchen“ genannt werden. Durch die Schwingung wird die Flüssigkeit im Innenohr bewegt, wodurch die Spitzen der Haarsinneszellen über eine bewegliche Membran stimuliert werden. Dadurch entstehen nun in Abhängigkeit von Schalldruck und Frequenz der Schwingungen elektrische Impulse, die von den Haarsinneszellen über den Hörnerv an das Gehirn weitergegeben werden. Das Gehirn vergleicht die Impulse mit gespeicherten Informationen und entschlüsselt sie zum Beispiel als Sprache, Musik oder Geräusch.

Tinnitus – Symptom, Ursache, Behandlung.

Grandfather and Girl Whispering on Couch

Jeder sechste Bundesbürger wurde schon einmal mit dem Symptom „Tinnitus" konfrontiert. 1 % der deutschen Bevölkerung fühlt sich durch Tinnitus in der Lebensqualität erheblich beeinträchtigt und 0,5 % kann durch Tinnitus kein normales Leben mehr führen, das sind immerhin 400.000 Betroffene in der Bundesrepublik Deutschland. Es verwundert nicht, dass bereits 60-80 % aller Jugendlichen damit Erfahrung haben. Mit Tinnitus (lateinisch = klingeln, klingen) bezeichnet man Hörempfindungen unterschiedlicher Art, die nicht von einer Schallquelle außerhalb des Menschen erzeugt werden.

Beim relativ seltenen „objektiven Tinnitus" liegt eine interne Schallquelle im Patienten vor, so dass Geräusche beispielsweise mit dem Stethoskop gehört werden können.

Beim „subjektiven Tinnitus" kann außer dem Betroffenen selbst niemand sonst die Geräusche hören, die aber nicht auf Einbildung beruhen. Häufig liegt neben dem Tinnitus auch eine oft unbemerkte Hochtonschwerhörigkeit vor. Für einen Nichtbetroffenen ist es völlig unverständlich, wie Tinnitus wirkt und welche unterschiedlichen Auswirkungen der Tinnitus haben kann. Ist er für den einen Betroffenen nur leicht irritierend, so ist dieser für einen anderen Betroffenen häufig ein großer, angstbesetzter Stress, oft mit eingreifenden Auswirkungen auf Ausbildung, Beruf, Gesundheit und soziale Beziehungen.

Ein Symptom

Tinnitus wird von den Fachleuten nicht als Krankheit, sondern als ein auf eine Krankheit oder gesundheitliche Beeinträchtigung hinweisendes „Symptom" bezeichnet. Das bringt die Notwendigkeit mit sich, nach den denkbaren Ursachen zu forschen und zu ihrer Behebung beizutragen. Dazu sind neben dem HNO-Arzt zahlreiche Fachleute hinzuzuziehen, z.B. der Internist, der Orthopäde, der Zahnarzt, der Neurologe, der Psychologe usw.

Allerdings verselbstständigt sich das Tinnitusgeräusch nach einer gewissen Zeit als eine Art „Softwareprogramm" im Gehirn, in unserem Denken und Empfinden. Es verbindet sich in sehr unterschiedlicher Weise mit vorgegebenen oder durch das Geräusch erst aufgetretenen Ängsten. Dabei erweisen sich diese Ängste später fast immer als unbegründet. Zu einem wesentlich günstigeren Tinnitusverlauf könnte es beitragen, wenn die Betroffenen von Anfang an gut informiert und von Ängsten freigehalten würden.

Die Ursachen

Tinnitus und Schwerhörigkeit können sehr viele Ursachen haben, so zum Beispiel Lärm, Infektionskrankheiten oder erbliche Veranlagung. Ursachen für den Tinnitus finden sich im Innenohr, im Mittelohr, bei Herzrhythmus-, Kreislauf- und Stoffwechselstörungen, vor allem aber auch bei Anomalien im Bereich der Halswirbelsäule und des Kiefergelenks, bei Stress und sonstigen psychischen Faktoren.

Die Behandlung

Ein akut auftretender Hörsturz und beginnender Tinnitus werden zum Anlass einer „Akutbehandlung" genommen, insbesondere durch Infusionen. Eine Behandlung durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist im jedem Fall dringend anzuraten. Es ist denkbar, dass man sein Ohrgeräusch nie wieder ganz verliert, aber es gibt gute Möglichkeiten, es auf ein erträgliches Maß zu reduzieren oder es bewusst nicht mehr wahrzunehmen.

Was ist eigentlich Lärm?

KOT_16_008_Bauarbeiter

Einfach gesagt umfasst Lärm alle Geräusche, die störend oder sogar schädlich sind. Das Ohr kann leider nicht feststellen, ob der erreichte Lärmpegel bereits Schaden anrichtet oder nicht. Hier spielen die subjektiven Empfindungen eine wesentliche Rolle: Zu laute Musik wird oft noch als angenehm empfunden, während ein Presslufthammer bei gleicher Lautstärke sehr unangenehm ist.

Tatsächlich entsteht bei zu viel Lärm unweigerlich eine Schädigung der Haarsinneszellen im Innenohr. Die Schwingungen bei zu hohen Lautstärken sind so energiereich, dass die Haarsinneszellen regelrecht abknicken und ihre Fähigkeit verlieren, die Schwingungen als Nervenreize weiterzuleiten. Zerstörte Haarsinneszellen regenerieren sich nicht mehr, die so entstandenen Hörschäden bleiben irreparabel. Wenn das Hörvermögen einmal verlorengegangen ist, lässt es sich nicht mehr zurückgewinnen. Vorboten oder Anzeichen eines Hörverlustes sind Pfeifen in den Ohren (Tinnitus) oder die fehlende Fähigkeit, Töne mit höheren Frequenzen, wie etwa Musik, richtig wahrzunehmen, oder es strengt an, Gespräche in geräuschvoller Umgebung zu verstehen (Partyeffekt).

Hörschädigungen durch zu viel Lärm können Sie jedoch mit den geeigneten Schutzmaßnahmen vorbeugen – mit einem geeigneten Gehörschutz. Aber auch mit mehr Rücksicht auf Ihre Ohren.