Die Ohren hören, das Gehirn versteht: besseres Sprachverstehen durch regelmäßiges Tragen von Hörgeräten

Die Ursachen für schlechteres Hören und Verstehen mit fortschreitendem Alter sind komplexer als bisher angenommen. Der Alterungsprozess des Gehirns und Verschleißerscheinungen im Innenohr beeinträchtigen die Sprachverarbeitung. Jüngere und ältere Menschen mit und ohne Hörverlust wurden im Rahmen einer Studie bezüglich ihres Sprachverstehens getestet.

Die geringste Anstrengung im Gehirn mussten die jüngeren Probanden aufbringen, gefolgt von den älteren Probanden ohne Hörverlust. Eine deutlich größere Anstrengung mussten die älteren Probanden erbringen, die auch eine Hörminderung haben.

Dass regelmäßiges Tragen von Hörgeräten wieder zu einem besserem Sprachverstehen führt, zeigte die Studie auch. Ältere Menschen mit Hörverlust, die neu mit Hörgeräten versorgt wurden, brauchten ca. 12 Wochen intensives Training, um Sprache wieder annähernd so gut verarbeiten zu können wie Gleichaltrige ohne Hörverlust. Die Hörsysteme sollten während des ganzen Tages, mindestens 12 Stunden ohne Unterbrechnung getragen werden. Durch die regelmäßige Nutzung der Hörgeräte stellen sich außerdem schnell die nötige Routine und Selbstverständlichkeit ein, die wesentlich dazu beitragen, die gewohnte Lebensqualität zurückzugewinnen und Normalität in den Alltag einkehren zu lassen.

Der auslösende Faktor für die Hörbeeinträchtigungen bleibt der Verlust von Haarsinneszellen im Innenohr. Diese machen mit der Zeit vor allem das Sprachverstehen anstrengender. Auch die gesamte Kommunikation wird anstrengender und kann schließlich zu allgemeiner Unzufriedenheit und schneller Ermüdung führen. Die Studienergebnisse zeigen, dass sich auch die natürlichen Alterungsprozesse im Gehirn nachteilig auf das Sprachverständnis auswirken. Denn Hören und Verstehen findet nicht nur mit den Ohren statt, sondern zu großen Teilen auch mit dem Gehirn. Im Normalfall ist beides perfekt aufeinander abgestimmt. Kommt es hier an einer Stelle zu Beeinträchtigungen, wird das gesamte System geschädigt. Hörgeräte helfen dabei, die Defizite bei der Schallaufnahme individuell auszugleichen. Die regelmäßige und konsequente Nutzung unterstützt das Hörzentrum im Gehrin bei der Auswertung des Gehörten. Das Gehirn ist im Gegensatz zu den Haarsinneszellen, die sich nicht regenerieren können, in der Lage durch regelmäßiges Training neue neurale Verknüpfungen zu erstellen und somit wieder ein besseres Sprachverstehen zu ermöglichen.

Quelle: FGH